27.05.2018 #Neuigkeiten

Was ist Schmerz und wie entsteht er und wie wirken Schmerzmittel?

Schmerz als Schutzfunktion

Schmerz ist im Grunde genommen eine Art Sinneswahrnehmung, wie beispielsweise Sehen, Schmecken, Hören oder Riechen. Nur in den meisten Fällen wesentlich unangenehmer und negativ belastet.

 

Dabei ist es eine geniale Erfindung unseres Körpers uns vor Schäden zu schützen. Besäßen wir diese Fähigkeit nicht, würden wir in lebensbedrohlichen Fällen nicht adäquat reagieren - die ungünstigste Folge wäre der Tod.

 

Generell unterschiedet man zwischen somatischen Schmerzen wie dem Oberflächenschmerz oder dem Tiefenschmerz (welche gut zu lokalisieren sind und jeder kennt, wenn wir uns den kleinen Zeh stoßen) und dem viszeralen Schmerz (Organe). Dort wissen wir oft nicht, woher der eigentliche Schmerz rührt, da er eher ausstrahlend wahrgenommen wird.

 

Der chronische Schmerz stellt eine Besonderheit dar, da keine Gewebsschädigung vorhanden ist, aber der Körper dennoch echten Schmerz wahrnimmt. Es handelt sich um ein eigenständiges Krankheitsbild.

 

Um genauer zu verstehen, was Schmerz überhaupt ist, kann es sinnvoll sein, sich etwas mit der Nervenphysiologie zu beschäftigen.

 

Wir besitzen in unserer Haut verschiedene Rezeptoren die uns Informationen aus der Umwelt, wie zum Beispiel Berührungen oder Kälte/ Wärme mitteilen.

Unsere Nozizeptoren sind unsere Schmerzrezeptoren, die als freie Nervenendigungen bezeichnet werden.

Diese sind anatomisch mit unserem Rückenmark verbunden und leiten das Wahrgenommene Richtung Gehirn, wo dies wiederum verarbeitet und bewertet wird.

 

Die Frage ist nun, wie werden diese Nozizeptoren gereizt, denn nicht jede Berührung wird als Schmerz wahrgenommen. Es muss also zu einer überschwelligen Reizung kommen:

 

  1. Mechanische Reize (Gewebsschädigung/Verletzung)
  2. Thermische Reize (extreme Kälte/ extreme Wärme)
  3. Chemische Reize (wiederum Verletzung der Zelle)

 

 

Unsere Nozizeptoren lassen sich als Zelle darstellen. Die Zellmembran, also die Oberfläche besitzt verschiedene Kanäle die aber nicht immer geöffnet sind.

Wenn nun beispielsweise ein Blutgefäß geschädigt wird, werden Proteine wie Bradykinin oder Neurokinin ausgeschüttet.

Diese funktionieren dann wie ein Schlüssel und öffnen die Kanäle an der Zellmembran. Daraufhin strömen positiv geladene Teilchen in den Rezeptor und lösen eine Erregungsweiterleitung der Nervenzelle aus.

Wenn diese Weiterleitung im Gehirn ankommt, spüren wir den Schmerz.

 

Es gibt allerdings noch weitere Proteine, die solche Kanäle öffnen. Und es gibt Stoffe wie Substanz P oder Prostagladin E2. Diese Stoffe entstehen bei Gewebsverletzungen und setzen sich an die Zellmembran der Nozizeptoren. Dadurch kann die Erregungsschwelle herabgesenkt sein oder sie sorgen dafür, dass sich Nachbarrezeptoren ebenso aktivieren.

Dadurch ist das Gewebe in der Nähe der Verletzung meist ebenso sensibel.

Dies kennt man, wenn man sich in den Finger schneidet und das Gewebe drum herum, welches nicht verletzt ist, zu Beginn auch noch weh tut.

 

Jede Zellmembran besteht aus Phospholipiden. Wird eine Zelle, also Gewebe verletzt, sorgen Enzyme dafür, dass sich Phospholipide in Arachidonsäure oder später noch in Prostagladin E2 umwandeln. Diese Umwandlung nennt man Cyclooxigenase.

 

Dieser Fakt ist relativ interessant, da wir durch Schmerzmedikamente (Aspirin, Voltaren, Iboprophen) diesen Prozess unterbrechen können.

Bedeutet also, wenn keine Cyclooxigenase passiert, entsteht weniger Prostagladin E2 der die Membrankanäle öffnet. Es findet also eine geringere Erregung der Schmerzzelle statt und es gibt keine/weniger Weiterleitung ans Gehirn. Wir spüren weniger, im besten Fall keinen Schmerz trotz Gewebsverletzung!

 

Wir nehmen diese Erleichterung gerne an, da wir Schmerz als sehr unangenehm bewerten. Allerdings ist Schmerz, wie oben bereits erwähnt, eine Schutzfunktion unseres Organismus. Wir sollten also sehr sensibel und überlegt mit der Gabe von Schmerzmitteln umgehen.

 

Vielleicht ist es im Umkehrschluss sogar besser, präventiv darauf achten unseren Körper zu schützen. Natürlich kann man kleinere Verletzungen nie hundert Prozent verhindern. Allerdings sind Bandscheibenvorfälle, Arthroseschmerz oder andere übliche Krankheitsbilder meist ein Resultat eines unökologischen Lebensstils. Und daran kann man was ändern!

 

Mit Physiotherapie lassen sich solche Schäden früh erkennen oder beseitigen. Gerne beraten wir Sie gerne Rund um das Thema...